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FOTOMALEREI

Ein Strand auf der Insel Lanzarote; der Ufersaum mit hellem oder dunklem Sand, kleinen und großen Kieseln, glatten und rauen Felsen, mit dem stillen oder strudelnden, schäumenden Wasser, in dem kühlen Licht des Morgens, der gleißenden Mittagssonne und der farbgesättigten Wärme des späten Nachmittags: Ein schönes und zugleich von vielen Stränden her vertrautes Bild.

Wenn Monika Baum dieses Bild in teilweise extremer Nah­sicht aufnimmt, entsteht mit einem Mal etwas völlig Neues. Ihre Fotografien veranschaulichen eine Parallelwelt jenseits unserer alltäglichen visuellen Erfahrung: Ein Zwischenreich, in dem sich Wasser, Sand und Steine auflösen und neu zusam­mensetzen, in ihrer Bewegung eingefroren und doch unauf­hörlich sich verändernd.
Vor unseren Augen erscheint eine Metamorphose, buchstäb­lich eine „Zwischenform“ aus Festem und Flüssigem, in steter Verwandlung eine Gestalt annehmend, die bereits wieder auf dem Weg zu einer anderen ist. Gleichsam spielerisch ent­stehen bizarre Oberflächen, schillernd, luzide oder opak in allen Facetten.

Stillstand und Bewegung der Materie zugleich schaffen neue Farben, sie erscheinen als „Taten und Leiden des Lichts“ (Go­ethe). Das Chiaroscuro ineinander verlaufender Farbtönungen oder kontrastierender ,starkfarbiger Flächen ergibt jenseits von Wasser und Stein eine völlig neue Materialität. In dieser gleichsam aus Lichtkörpern bestehenden Farbigkeit liegt das eigentliche Faszinosum der Fotografien. Eine ähnliche Erfah­rung kann man bei dem Betrachten von Monets Seerosen­bildern oder von Fotografien ferner Galaxien machen – ein Wechselspiel von Mikrokosmos und Makrokosmos.

Mit ihren Aufnahmen, der Auswahl und kompositionellen Bearbeitung führt uns die Künstlerin und Designerin Monika Baum eine neue Schöpfungsgeschichte vor Augen, eine aus Schaum geborene Schönheit.

Prof. Dr. Eckart Bergmann, Kunsthistoriker, München

WALDWASSER


FOTOMALEREI

Der Teutoburger Wald ist ein altes, geschichtsträchtiges Mittelgebirge, gebildet aus Hochwald, verstreuten Gesteinsformationen, verschwiegenen Quellen, Bachläufen und Teichen. Charakteristisch sind vor allem die über zwanzig Flüsse und Bäche, die von zwei Wasserscheiden ausgehend die Landschaft aus Kalk- und Sandstein prägen.

Wenn die in Detmold lebende Künstlerin, Fotografin und Designerin Monika Baum in dieser Gegend die Motive ihrer Fotomalerei findet, dann sind es nicht die konventionell idyllischen Bilder, so schön sie auch sein mögen, denen sie sich zuwendet. Sie entdeckt den romantischen Zauber der Landschaft im Kleinen, in der Konzentration auf die Nahsicht, die der gewöhnliche Blick auf das Ganze meist achtlos übergeht. Details eines Bachlaufes, die Wasseroberfläche eines Teiches im Ausschnitt, ein Stück Ufersaum mit Wasserrand werden zu einer Magie des Nebensächlichen, entfalten so eine große Kraft des Ursprünglichen, schaffen Farben und Formen jenseits ihrer dinglichen Wirklichkeit.

Die Bilder faszinieren zunächst durch ihre Oberflächenreize, bei näherer Betrachtung lassen sie dem Betrachter die Freiheit, sich in Stimmungen und Assoziationen zu verlieren. Das Wasser als verbindendes Element,still, gekräuselt, schnell fließend, strudelnd und in der Bewegung eingefroren, ergibt zusammen mit dem jeweiligen Licht aller Jahreszeiten ein jeder Stofflichkeit enthobenes, märchenhaftes Farbspektrum.“Ein Märchen ist wie ein Traumbild ohne Zusammenhang. Ein Ensemble wunderbarer Dinge…die Natur selbst “(Novalis). Die Spannweite reicht aber auch von der Romantik in die Moderne: Viele der Fotos erinnern an Malereien nach 1945 der Stilrichtungen von Action Painting und Tachismus.

Die Bilder von Frau Baum sind Fotographik im ursprünlichen Sinne, mit Licht (photós) malen (gráphein). Diese Lichtmalerei macht das Kleine groß, vergrößert es im fotographischen Medium und noch mehr im ästhetischen Sinne zu einer Erweiterung unseres gewohnten Sehvermögens.

Prof. Dr. Eckart Bergmann, Kunsthistoriker, München